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Archive für 27.10.2008

Lyrik

 

 

 francescohayezderkuss.jpg
Francesco:  Der Kuss
www.verben.texttheater.de

Der Kuss

Es regnet - doch sie merkt es kaum,

weil noch ihr Herz vor Glück erzittert:

Im Kuß versank die Welt im Traum.

Ihr Kleid ist naß und ganz zerknittert

und so verächtlich hochgeschoben,

als wären ihre Knie für alle da.

Ein Regentropfen, der zu Nichts zerstoben,

der hat gesehn, was niemand sonst noch sah.

So tief hat sie noch nie gefühlt -

so sinnlos selig müssen Tiere sein!

Ihr Haar ist wie zu einem Heiligenschein zerwühlt

Laternen spinnen sich drin ein.

Wolfgang Borchert

 

Abendlich tönet Gesang

Abendlich tönet Gesang ferner Glocken

lächelnd versinkt voll Frühling ein Tag.

Über das eigene Lied scheu erschrocken,

verstummte die Amsel mitten im Schlag.

Und in dem Regen, der nun begann,

fing leise die Erde zu atmen an.

Wolfgang Borchert


Abschied

Laß mir deinen Rosenmund

noch für einen Kuß.

Draußen weiß ein ferner Hund,

daß ich weiter muß.

Laß mir deinen hellen Schoß

noch für ein Gebet.

Mach mich aller Schmerzen los!

- horch, der Seewind weht.

Laß mir noch dein weiches Haar

schnell für diesen Traum:

Daß dein Lieben Liebe war -

laß mir diesen Traum!

Wolfgang Borchert

 

Ich liebe Dich

Ich liebe dich, ich treibe Kinderpossen,

Du lächelst nur, was dir so reizend läßt;

Ist denn das Märchenreich, das uns umschlossen,

Der Kindheit letzter, wunderbarer Rest?

T.Storm


Geheime Träume

Es ist ein Meer von Blütenduft,

Verlangen und Begehren,

ein Lächeln Sommer warm.

und voller Melodien.

Du glaubst Dich trunken,

fast benommen,

nun ist der Augenblick

der uns gefangen hält

unweigerlich gekommen.

Noch wehrst Du Dich

am Anbeginn.

Dann gibst Du Dich,

nach einem Kuss

ganz langsam windend

und mit Lust,

unseren geheimen Träumen hin.

Es beginnt ein Liebesspiel,

das flackernd immer wieder

seine Macht beweist,

in dem es lustvoll fordernd

durch das Dunkel

unserer Sinne kreist,

sich vor dem Lichte

einer Kerze schamvoll neigt

mal ruht, mal schreit

genießt und manchmal

mit uns selber schweigt.

Bis dann am End` der Mond

so ganz verschwiegen

und vertraut

durch seidene Gardinen

noch einmal

nach uns schaut,

wie wir im Schlaf

mit einem Lächeln

eng umschlungen liegen.

Ein letztes Mal

wird meine Hand

vorsichtig durch Deine Haare weh´n,

dann ist ein Frieden um uns rum,

der bleibt, als wäre nichts gescheh`n.

Michael Stinnes 20 Mai 2006

 

noldemeer.jpg
Emil Nolde
www.artroots.com

 Am Meer

Hat Dich der Wind erschreckt?

Fühlst Du wie die Nacht

Dich streichelt! -

Hör nur, das Meer, wie es

beginnt zu toben.

Es schwillt der Sturm

und bohrt sich jauchzend

in die Wogen!

Michael Stinnes

 

 

Bei Nacht

Nachts, wenn das Meer mich wiegt

Und bleicher Sternenglanz

Auf seinen weiten Wellen liegt,

Dann löse ich mich ganz

von allem Tun und aller Liebe los

und stehe still und atme bloß

allein, allein vom Meer gewiegt,

das still und kalt mit tausend Lichtern liegt.

Dann muss ich meiner Freunde denken

und meinen Blick in ihre Blicke senken,

und frage jeden still allein:

Bist du noch mein?

Ist dir mein Leid ein Leid? Mein Tod ein Tod?

Fühlst Du von meiner Liebe, in meiner Not

nur einen Hauch, nur einen Widerhall?

Und ruhig blickt und schweigt das Meer

Und lächelt: Nein.

Und nirgendwo kommt Gruß und Antwort her.

Hermann Hesse

 

liebespaar.jpg
Otto Mueller www.bela1996.de

 

Abends

Abends gehen die Liebespaare

Langsam durch das Feld,

Frauen lösen ihre Haare,

Händler zählen Geld,

Bürger lesen bang das Neuste

In dem Abendblatt,

Kinder ballen kleine Fäuste,

Schlafen tief und satt.

Jeder tut das einzig Wahre,

Folgt erhabner Pflicht,

Säugling, Bürger, Liebespaare —

und ich selber nicht?

Doch! Auch meiner Abendraten,

Deren Sklav’ ich bin,

Kann der Weltgeist nicht entraten,

Sie auch haben Sinn.

Und so geh ich auf und nieder,

Tanze innerlich,

Summe dumme Gassenlieder,

Lobe Gott und mich.-

Trinke Wein und phantasiere,

Daß ich Pascha wär,

Fühle Sorgen an der Niere,

Lächle, trinke mehr,

Sage ja zu meinem Herzen

(Morgens geht es nicht),

Spinne aus vergangenen Schmerzen

Spielend ein Gedicht,

Sehe Mond und Sterne kreisen,

Ahne ihren Sinn,

Fühle mich mit ihnen reisen

Einerlei wohin.

H. Hesse

Abendgespräch

Was blickst du träumend ins verwölkte Land?

Ich gab mein Herz in deine schöne Hand.

Es ist so voll von ungesagtem Glück,

So heiß - hast du es nicht gefühlt?

Mit fremdem Lächeln gibst du mir’s zurück.

Ein sanfter Schmerz … Es schweigt. Es ist gekühlt.

H. Hesse

haus.jpg
www.dieter-preckel.de

 

 

 

Ich denke an:

Ein Dörfchen schlicht in des Friedens Prangen,

drin Hahnengeschrei;

und dieses Dörfchen verloren gegangen

im Blütenschnee.

Und drin im Dörfchen mit Sonntagsminen

ein kleines Haus;

ein Mädchenkopf nickt aus den Tüllgardinen

verstohlen heraus.

Rasch auf die Türe, die angelheiser

um Hilfe ruft.-

und dann in der Stube, ein leiser, leiser

Lavendelduft……..

 

R.M. Rilke

 

 

Komm gleich nach dem Sonnenuntergange,

sieh das Abendgrün des Rasengrunds;

ist es nicht, als hätten wir es lange

angesammelt und erspart in uns,

um es jetzt aus Fühlen und Erinnern,

neuer Hoffnung, halbvergeßnem Freun,

noch vermischt mit Dunkel aus dem Innern,

in Gedanken vor uns hinzustreun

unter Bäume wie von Dürer, die

das Gewicht von hundert Arbeitstagen

in den überfüllten Früchten tragen,

dienend, voll Geduld, versuchend, wie

das, was alle Maße übersteigt,

noch zu heben ist und hinzugeben,

nur das Eine will und wächst und schweigt.

R.M. Rilke

 

Empfange nun von manchem Zweig ein Winken,

als sei`s ein Grüssen oder Wiedersehn;

und, wie die Schalen, draus die Vögel trinken,

lass selbst den Regen spiegelnd in dir stehn.

Nichts geht verloren, alles giebt sich weiter.

Wer es im Innersten begreift der steigt,

und oben ist das Ende seiner Leiter

ans Gleichgesinnte sicher angeneigt.

 

R.M. Rilke

 

 

Wenns Frühling wird

Die ersten Keime sind, die zarten,

im goldnen Schimmer aufgesprossen;

schon sind die ersten der Karossen

im Baumgarten.

 

Die Wandervögel wieder scharten

zusamm sich an der alten Stelle,

und bald stimmt ein auch die Kapelle

im Baumgarten.

 

Der Lenzwind plauscht in neuen Arten

die alten, wundersamen Märchen,

und draußen träumt das erste Pärchen

im Baumgarten.

R.M. Rilke

 

Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.

Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,

und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;

gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,

dränge sie zur Vollendung hin und jage

die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.

Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,

wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben

und wird in den Alleen hin und her

unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

R.M. Rilke


Ich möchte dir ein Liebes schenken,

das dich mir zur Vertrauten macht:

aus meinem Tag ein Deingedenken

und einen Traum aus meiner Nacht.

Mir ist, daß wir uns selig fänden

und daß du dann wie ein Geschmeid

mir löstest aus den müden Händen

die niebegehrte Zärtlichkeit.

R. M. Rilke

Abendgespräch

Was blickst du träumend ins verwölkte Land?

Ich gab mein Herz in deine schöne Hand.

Es ist so voll von ungesagtem Glück,

So heiß - hast du es nicht gefühlt?

Mit fremdem Lächeln gibst du mir’s zurück.

Ein sanfter Schmerz … Es schweigt. Es ist gekühlt.

 

H. Hesse

 

Ich denke an:

Ein Dörfchen schlicht in des Friedens Prangen,

drin Hahnengeschrei;

und dieses Dörfchen verloren gegangen

im Blütenschnee.

Und drin im Dörfchen mit Sonntagsminen

ein kleines Haus;

ein Mädchenkopf nickt aus den Tüllgardinen

verstohlen heraus.

Rasch auf die Türe, die angelheiser

um Hilfe ruft.-

und dann in der Stube, ein leiser, leiser

Lavendelduft……..

 

R.M. Rilke

 

Komm gleich nach dem Sonnenuntergange,

sieh das Abendgrün des Rasengrunds;

ist es nicht, als hätten wir es lange

angesammelt und erspart in uns,

um es jetzt aus Fühlen und Erinnern,

neuer Hoffnung, halbvergeßnem Freun,

noch vermischt mit Dunkel aus dem Innern,

in Gedanken vor uns hinzustreun

unter Bäume wie von Dürer, die

das Gewicht von hundert Arbeitstagen

in den überfüllten Früchten tragen,

dienend, voll Geduld, versuchend, wie

das, was alle Maße übersteigt,

noch zu heben ist und hinzugeben,

nur das Eine will und wächst und schweigt.

 

R.M. Rilke

 

 

 

Empfange nun von manchem Zweig ein Winken,

als sei`s ein Grüssen oder Wiedersehn;

und, wie die Schalen, draus die Vögel trinken,

lass selbst den Regen spiegelnd in dir stehn.

Nichts geht verloren, alles giebt sich weiter.

Wer es im Innersten begreift der steigt,

und oben ist das Ende seiner Leiter

ans Gleichgesinnte sicher angeneigt.

 

R.M. Rilke

 

Wenns Frühling wird

Die ersten Keime sind, die zarten,

im goldnen Schimmer aufgesprossen;

schon sind die ersten der Karossen

im Baumgarten.

 

Die Wandervögel wieder scharten

zusamm sich an der alten Stelle,

und bald stimmt ein auch die Kapelle

im Baumgarten.

 

Der Lenzwind plauscht in neuen Arten

die alten, wundersamen Märchen,

und draußen träumt das erste Pärchen

im Baumgarten.

R.M. Rilke


Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.

Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,

und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;

gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,

dränge sie zur Vollendung hin und jage

die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.

Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,

wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben

und wird in den Alleen hin und her

unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

R.M. Rilke

 

 

Ich möchte dir ein Liebes schenken,

das dich mir zur Vertrauten macht:

aus meinem Tag ein Deingedenken

und einen Traum aus meiner Nacht.

Mir ist, daß wir uns selig fänden

und daß du dann wie ein Geschmeid

mir löstest aus den müden Händen

die niebegehrte Zärtlichkeit.

R. M. Rilke

 

 

Der Panther

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe

so müd geworden, daß er nichts mehr hält.

Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe

und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,

der sich im allerkleinsten Kreise dreht,

ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,

in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille

sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,

geht durch der Glieder angespannte Stille -

und hört im Herzen auf zu sein.

 

R.M. Rilke

 

 

 

 

Herbst

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,

als welkten in den Himmeln ferne Gärten;

sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde

aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.

Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen

unendlich sanft in seinen Händen hält.

 

R.M. Rilke

 

 

 

Traumgekrönt

Das war der Tag der weißen Chrysanthemem.

Mir bangte fast vor seiner Pracht…

Und dann, dann kamst du mir die Seele nehmen

Tief in der Nacht.

Mir war so bang, und du kamst lieb und leise,

Ich hatte grad im Traum an dich gedacht.

Du kamst, und leis’ wie eine Märchenweise

Erklang die Nacht.

 

Rilke

 

 

 

Traumboot

Wir befanden uns,so träumt ich wieder

Du und ich in dem bekränzten Boot.

Und wir blickten bebend vor uns nieder,

denn wir wußten, heben wir die Lider,

bedeutet es den Tod.

Schon verschob der Bug sich um ein kleines,

Taue senkten sich in leiser Hast,

Schleiersegel von der Farbe eines

längst erloschnen, dunkelroten Weines

stiegen auf und hingen um den Mast.

Und ein Windhauch kam wie das Geschehn

einer zarten Traurigkeit

und die Segel füllten sich mit Wehen

und wir wagten es uns anzusehen

und das Boot glitt langsam aus der Zeit.

 

Manfred Hausmann

 

 

Berührung

Dein Auge blieb, da du mir’s zugewandt,

ein Rätselauge, schwer und unbekannt.

Und auch das liebste Wort, das von dir kam,

war von Verhaltenheit verhüllt und Scham.

Doch als du dich, vom Glück des Tags verführt,

zum erstenmal in meinem Arm gerührt,

so fragend noch und noch so atemlos,

als du zum ersten Male Brust und Schoß,

hinhauchend einen kleinen Klagelaut,

mir unbegreiflich leise anvertraut,

da wußte ich für eines Herzschlags Frist,

wer du, Geliebteste, zu innerst bist.

Zittern

Wenn Du Deine Hüften Du mein Leben,

blassen Schimmer auf dem Lager dehnst,

Deinen Kopf zurück in`s Kissen lehnst,

das die kleinen Brüste sich heben-

wenn Du Deines Haars gelöste Schwärze

langsam von den Schultern streifst

und mit Deiner Hand ins Dunkel greifst,

sanft berührt vom Flimmerduft der Kerze-

was die trunk`nen Blicke auch umfangen,

alles läßt mich, all Dein Spiel und Tun,

all Dein lächelndes und weiches Ruh`n,

in der Seele zittern vor Verlangen.

 

DSU YI übersetzt von M. Hausmann

 

 

Die Schaukel

Die Pfosten bunt und jeder Strick

noch seidenbunter.

Ein Mädchen schwebt berauscht vom Glück

hinauf, hinunter.

Jetzt streift Ihr Rock die Erde fast

mit weichem Wellenwiegen,

und jetzt will sie in trunkner Hast

empor zum Himmel fliegen.

Und immer, wenn die Stricke licht

ins Grüne steigen,

flirrt um ihr lächeldes Gesicht

ein Blütenreigen.

Sie blickt, wie sie nun innehält,

so fremd und so benommen,

als sei sie aus der Feenwelt

des Mondes herabgekommen.

 

Hung DjÜÄ Fan übersetzt von M. Hausmann

 

 

 

Lied

Ein Apfelduft erhellt die Ruhestätte.

Verhalten rauscht die Seide und gelind.

Wen diese Nacht doch nie ein Ende hätte!

Die Nacht in der wir glücklich sind!

Da, horch! Ein Ju-nan Hahn beginnt zu kräh`n.

dabei war`s eben erst doch Mitternacht.

Die großen Sterne sind ja noch zu sehn.

Er aber kräht und kräht. Die Stadt erwacht.

 

HSÜ Ling übersetzt von M. Hausmann

 

 

Sommermittag

Nun ist es still um Hof und Scheuer,

Und in der Mühle ruht der Stein;

Der Birnenbaum mit blanken Blättern

Steht regungslos im Sonnenschein.

Die Bienen summen so verschlafen;

Und in der offnen Bodenluk’,

Benebelt von dem Duft des Heues,

Im grauen Röcklein nickt der Puk.

Der Müller schnarcht und das Gesinde,

Und nur die Tochter wacht im Haus;

Die lachet still und zieht sich heimlich

Fürsichtig die Pantoffeln aus.

Sie geht und weckt den Müllerburschen,

Der kaum den schweren Augen traut:

»Nun küsse mich, verliebter Junge;

Doch sauber, sauber! nicht zu laut.«

 

T. Storm

 

Die Zärtlichkeiten

Ich liebe jene ersten bangen Zärtlichkeiten,

Die halb noch Frage sind und halb schon Anvertraun,

Weil hinter ihnen schon die anderen Stunden schreiten,

Die sich wie Pfeile wuchtend in das Leben baun.

Ein Duft sind sie, des Blutes flüchtigste Berührung,

Ein rascher Blick, ein Lächeln, eine leise Hand –

Sie knistern schon wie rote Funken der Verführung

Und stürzen Feuergraben in der Nächte Band.

Und sind sie doch seltsam süß, weil sie im Spiel gegeben

Noch sanft und absichtslos und leise nur verwirrt,

Wie Bäume, die dem Frühlingswind entgegenbeben,

Der sie in seiner harten Faust zerbrechen wird.

 

Stefan Zweig

 

Erinnerung

Der Abend kam. Die Schatten fielen.

Rings an den Fenstern ward es hell.

Die Kleine, müd vom Lauf und Spielen,

lag mir am Fuß im Bärenfell.

Die nackten Beinchen hochgezogen,

hilt sie in kleiner Hand den Stift

und füllte meinen schönsten Bogen

mit Häkchen einer Runenschrift.

Rings war’s so still, wie zum Gebete;

der ems’ge Stift nur raschelt leis…

Es schrieb kein Dichter und Prophete

sein Weisheitsbuch mit größrem Fleiß!

Da plötzlich schmeichelnd mit den lieben

Äuglein mein Kindchen zu mir schlich:

“Weißt du, Papa, was ich geschrieben?”

“Ein Briefchen?” - “Ja.” - “An wen?” - “An dich!”

“Goldkind, an mich? Was steht darinnen?

Der Abend macht die Augen trüb…”

Und sie, nach lächelndem Besinnen:…

“Daß ich dich lieb hab’, furchtbar lieb!”

Es floß ein letzter Sonnenschimmer

ums Köpfchen ihr mit goldnem Hauch -

“Das schreibst du mir im selben Zimmer?

Sag’s mir doch laut, dann weiß ich’s auch.”

Da sah mich an das kleine Wesen

und reicht’ das Blatt mir lächelnd hin:

“Behalt’s, Papa, dann kannst du’s lesen,

wenn ich mal nicht im Zimmer bin…”

…..O bittres Wort aus lieben Zeiten,

das du der Sehnsucht Flügel leihst!

Es schlug die Stunde längst zum Scheiden,

und dieses Zimmer ist verwaist.

Von deinem Jauchzen, deinem Lieben,

von all dem, was sie nie vergißt,

ist nur ein Blatt zurückgeblieben,

das wirr und kraus bekritzelt ist…..

Rudolf Presber


Mittagszauber

Im Garten wandelt hohe Mittagszeit,

der Rasen glänzt, die Wipfel schatten breit;

von oben sieht, getaucht in Sonnenschein

und leuchtend Blau, der alte Dom herein.

Am Birnbaum sitzt mein Töchterchen im Gras;

die Märchen liest sie, die als Kind ich las;

ihr Antlitz glüht, es ziehn durch ihren Sinn

Schneewittchen, Däumling, Schlangenkönigin.

Kein Laut von außen stört; ’s ist Feiertag —

nur dann und wann vom Turm ein Glockenschlag!

Nur dann und wann der mattgedämpfte Schall

im hohen Gras von eines Apfels Fall!

Da kommt auf mich ein Dämmern wunderbar,

gleichwie im Traum verschmilzt, was ist und war:

die Seele löst sich und verliert sich weit

ins Märchenreich der eignen Kinderzeit.

Emanuel Geibel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Obst und Gemüse stark belastet

tazlogo.jpg

Druck auf die Branche: Verbraucherschutz rät zum Kauf von Bio-Produkten.

Mehr Pestizid als erlaubt!

In fast allen Produkten finden staatliche Lebensmittelkontrolleure Pestizide. Verbraucherschützer fordern mehr Kontrolle und die Benennung schwarzer Schafe. VON JOST MAURIN

Obst und Gemüse aus konventionellem Anbau ist oft stark mit Pestiziden belastet. In Kopfsalat, Äpfeln, Zuchtchampignons sowie Grün- und Wirsingkohl lagen die Rückstände 2007 häufig sogar über den vom Gesetz erlaubten Höchstmengen. Einige Proben waren so gifthaltig, dass schon “bei einmaligem Verzehr gesundheitliche Beeinträchtigungen nicht auszuschließen sind”, wie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittel am Montag in Berlin mitteilte. Grundlage ist eine repräsentative Studie, deren Daten die Bundesländer erheben.

Demnach war vor allem Grünkohl besonders stark mit Gift durchsetzt: 20 Prozent enthielten mehr Pestizide als vom Gesetz erlaubt. Bei Pfirsichen betrug die Quote 12 Prozent, bei Kopfsalat 9,5 Prozent.

http://www.taz.de

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